Die Sternsinger sind die ersten Opfer der neuen Bettelverordnung

Es ist guter und langer Brauch der katholischen Kirchengemeinde Adelsdorf-Aisch, dass am 6. Januar die Sternsinger von Haus zu Haus ziehen. Die als Heilige Drei Könige verkleideten Kinder werden dieses Jahr jedoch womöglich gar nicht oder zumindest nicht in Vollbesetzung bei den Katholiken vor der Haustür singen und um Spenden bitten können.

Nach der durch Bürgermeister Karsten Fischkal im November erlassenen Allgemeinverfügung treffen sogar zwei der fünf Kriterien aus der Verordnung auf die Sternsinger-Gruppen zu. Sie sind demnach bandenmäßig organisiert, und es handelt sich um Kinder, die bettelnd unterwegs sind.

Nach Informationen des Adelsdorfer Gemeindeschreibers laufen seit 2. Januar intensive Beratungen zwischen dem Pfarramt und dem Ordnungsamt der Gemeinde, ob und wie es ein juristisches Schlupfloch gibt, so dass die Sternsinger doch noch ausgesendet werden können.

Neben der gemeindlichen Allgemeinverfügung erschweren auch Verordnungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlingsfragen (Bamf) die Sternsinger-Aktivitäten. Melchior, der traditionell als Mohr dargestellte König, dürfte nämlich bei Ausweiskontrollen Schwierigkeiten haben, mit seinem Kinderausweis glaubhaft zu versichern, die Person zu sein, die auch im Ausweis abgebildet ist. Jetzt soll die Polizei entsprechend vorab sensibilisiert werden. So soll vermieden werden, dass wegen „Racial Profiling“ pauschal jeweils einer der drei Könige festgesetzt wird, sobald er öffentlichen Straßenraum betritt.

Thomas Ringer, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde, rechnet offenbar mit dem Schlimmsten. Er stellt jedoch auch klar, dass selbst bei nur Zwei Heiligen Königen der komplette Segensspruch 20*C+M+B*17 mit Kreide an die Haustüre malen werden. Nur fälschlicherweise nehmen viele Menschen an, dass sich die Buchstaben auf die Namen – Caspar, Melchior und Balthasar – der Könige beziehen. Weil es aber eigentlich „Christus mansionem benedicat“ (= „Christus segne dieses Haus“) bedeutet, sind auch zwei Könige befugt, drei Buchstaben an die Türe zu schreiben.

Und Pfarrer Ringer hofft auch, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Denn schon im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde das Sternsingen zunehmend als Form von Bettelei von den Behörden verboten und der Brauch starb vielerorts nahezu aus.

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