Auf diese Ideen bringt die neue Kehrsatzung die Geflügelzüchter

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Johannes Weiß hat bereits Anfragen für die Altsteirer-Miet-Hühner.

Seit 1. Januar 2017 gilt in der Gemeinde Adelsdorf eine neue Kehrsatzung (hier im Amtsblatt im Wortlaut nachzulesen). Sie regelt, grob zusammengefasst, dass künftig nicht mehr Kehrfahrzeuge im Auftrag der Gemeinde für saubere Straßen zuständig sind, sondern die Anwohner. Notwendig geworden war die neue Kehrsatzung, weil im Gemeinderat angesichts der Verschuldung der Gemeinde die bisherige Finanzierung hinterfragt worden war.

In der neuen Kehrsatzung wird detailliert aufgelistet, wie die Adelsdorfer Bürger ihre Reinigungspflicht zu erfüllen haben. So heißt es, dass Gehwege, Radwege und Fahrbahnen einschließlich Parkstreifen „nach Bedarf, regelmäßig aber mindestens einmal im Monat, zum Beispiel an jedem ersten Samstag zu kehren (…)“ sind. Auch geregelt ist, dass die Straßen und Wege „von Gras und Unkraut zu befreien (sind), soweit es aus Ritzen und Rissen im Straßenkörper wächst“.

Nun wächst besonders in den Straßen mit hohem Sanierungsbedarf das Unkraut häufig schneller aus Ritzen und Löchern als sich die Bürger danach bücken können, um es auszureißen.

Spezialisten-Hühner kommen aus der Steiermark

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So sieht das Alsteirer-Huhn aus.

Das Problem haben auch die Verantwortlichen des Geflügelzuchtvereins (GZV) Adelsdorf erkannt – und planen eine so einfache wie geniale Lösung. Aufgrund ihrer jahrzehntelange Erfahrung und des guten Netzwerks der Geflügelzüchter im deutschsprachigen Raum konnte bereits mit der Vorbereitung begonnen werden. Ende des Monats sollen die ersten Küken einer speziellen Hühnerrasse schlüpfen.

Es handelt sich dabei um die Altsteirer-Hühner, eine Haushuhnrasse, die seit langer Zeit in der Steiermark gezüchtet wird. Diese Rasse zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Schnäbel der Tiere besonders widerstandsfähig sind und so beim Picken in Asphalt-Spalten keinen Schaden nehmen. Zudem haben die Hühner eine besonders ausgeprägte Sehfähigkeit betreffend Grün-Grau-Kontrasten und können deshalb Unkraut im Straßenraum gut erkennen.

Beim Geflügelzuchtverein ist man optimistisch, mit den Hühnern die perfekte Antwort auf die neue Kehrsatzung gefunden zu haben. Früher seien fast überall in den Orten der Gemeinde auf den Strassen pickende Hühner selbstverständlicher Teil des Ortsbildes gewesen, sagt Johannes Weiß, 1. Vorstand des GZV im Gespräch mit dem Adelsdorfer Gemeindeschreiber. Er sei froh und dankbar, dass dank der weisen Entscheidung des Gemeinderats für eine neue Kehrsatzung bald wieder ein Stück der guten alten Zeit zurückkehre und Hühner wieder zum Straßenbild gehören dürften. „Die Ausgrenzung ist vorbei und ich freue mich insbesondere für die wachsende städtische Seeside-Siedlung, dass die Kinder dort etwas vom Dorfleben früherer Tage mitbekommen“, so Weiß.

Die Jahresmiete beträgt 150 Euro pro Huhn

Erste Anfragen für die Hühner hat Weiß bereits erhalten. Aus der Adelsdorfer Partnergemeinde Feldbach in der Steiermark seien kurz nach Neujahr die ersten Eier geliefert worden. Man befinde sich derzeit in der 21-tägigen Brutphase und hoffe spätestens bis Mitte März die ersten 150 Tiere „ausliefern“ zu können. Die Jahresgebühr für ein solches Huhn beträgt 150 Euro, erklärt Weiß. Als Kaution müssten 450 Euro hinterlegt werden. Die Hühner können von den Mietern entweder selbst gehalten werden und am Samstag zum Einsatz gebracht werden. Oder man belässt das gemietete Tier in die Obhut des GZV und holt es lediglich zum samstäglichen Einsatz ab. Bei der letzten genannten Lösung fallen die unter der Woche gelegten Eier dem GZV zu. Sonst wären sie ein Zusatznutzen für die Mieter.

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Wer sein Huhn zusätzlich mit einer Warnweste ausrüsten will, kann diese beim Geflügelzuchtverein bestellen.

Vorrangig sind die Altsteirer-Hühner aber eben keine Eierlieferanten, sondern Spezialisten für gepflegte Staßen und Gehwege. Nach der Brutzeit von 21 Tagen absolvieren die Küken beim GZV ein spezielles Trainingsprogramm. Dabei lernen sie unter anderem, die Gefahren von Autos auf den Straßen zu erkennen. Zusätzliche Sicherheit sollen Warnwesten bieten, die der GZV bei einer englischen Firma aus dem Dorf Wardington bestellt hat (hier ein Bericht dazu). Die Westen können künftige Hühnerhalter zum Preis von 15 Euro erwerben. Es gibt sie in den Farben Gelb, Pink und Camouflage.

Die Spezialhühner haben ihren Preis. Jedoch sollten sich die Bürger genau überlegen, ob sie es riskieren wollen, die bei Nichterfüllung der Reinigungspflicht angedrohten 500 Euro Geldbuße zu riskieren. Johannes Weiß vom GZV verbürgt sich für die Hühner: „Soweit wir das in der Steiermark live beobachtet haben, picken die Altsteirer alles weg.“ Und weiter: „Wenn die Gemeinde bei dem Ergebnis noch ein Bußgeld verhängt, will ich nicht mehr Weiß heißen.“

2 Kommentare zu „Auf diese Ideen bringt die neue Kehrsatzung die Geflügelzüchter

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