Freie Wähler professionalisieren sich – Scheppe als „Regierungssprecher“?

Seit 2008 stellen die Freien Wähler in Adelsdorf mit Karsten Fischkal den Bürgermeister. Und seit den Kommunalwahlen 2014 stellen sie mit acht von 20 Sitzen auch die stärkste Fraktion im Gemeinderat. In dieser komfortablen politischen Lage stellen die Freien Wähler offensichtlich bereits jetzt die Weichen auf Machterhalt und -ausbau bei der Kommunalwahl. Der Adelsdorfer Gemeindeschreiber hat einige Indizien dafür, wie das Vorgehen konkret aussehen könnte.

So erfährt die acht-köpfige Fraktion der Freien Wähler verstärkt Unterstützung für die eigene Politik durch den Ortssprecher von Lauf, Tim Scheppe. Dieser ist offiziell zwar als Ortssprecher für die Gemeinde Lauf, Wiesendorf und Weppersdorf gewählt und damit eigentlich parteipolitisch eher neutral. Er bringt sich aber eben auch als „Beirat“ im Ortsverband der Freien Wähler politisch ein (siehe hier).

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Tim Scheppe – seit Januar mit neuem seriösen Profilfoto bei Facebook.

Es erscheint gut möglich, dass die Spitze der örtlichen Freien Wähler das überragende politische Talent Scheppes erkannt hat und nun seit Jahresanfang gezielt fördert. So wechselte Scheppe Mitte Januar sein Profilfoto bei Facebook und präsentiert sich dort nur mit Schlips und Kragen.

Über die Ambitionen hinter Scheppes Profilierung kann natürlich auch der Adelsdorfer Gemeindeschreiber nur spekulieren. Jedoch liegen Informationen vor, dass sich die Freien Wähler durchaus das Erfolgsrezept von US-Präsident Donald J. Trump und seiner Administration genau studiert haben und daraus lernen möchten.

Insbesondere imponiert den Freien Wähler die Rolle, die der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, innehat. Er verteidigt mit Vehemenz und Inbrunst die Politik seines „Chefs“ gegen aus Trumps Sicht ungerechtfertigte Angriffe.

Tim Scheppe hat Spicers Auftritte wohl gesehen und ist auch guter Kenner der Debatten in den USA. Diesen Schluss jedenfalls lässt eine öffentliche Diskussion zu, die Scheppe vor einigen Tagen mit Ralf Olmesdahl und dessen neuer politischer Vereinigung „Adelsdorfer Bürger“ geführt hatte.

So verbreitete Ralf Olmesdahl auf der Facebook-Seite der „Adelsdorfer Bürger“ eine politische Botschaft, die auf (zu) hohe Gebühren für Kinderbetreuung in der Gemeinde Adelsdorf verweist.

Diesen vermeintlichen Angriff auf Bürgermeister Karsten Fischkal und die Politik der Fraktion der Freien Wähler ließ Scheppe nicht unkommentiert und antwortete: „Der Ralf wieder mit seinen alternativen Fakten!“ Später folgte noch ein „Populismus“-Vorwurf an die Adresse der „Adelsdorfer Bürger“. Außerdem schrieb Scheppe: „Hier wird aus niederen Gründen versucht die gute Familien freundliche Politik des Gemeinderates madig zu machen.“ (Im Zitat wurde die fehlerhafte Original-Schreibweise inklusive fehlender Satzzeichen aus Gründen der Authentizität beibehalten.)

Es war ein Poltern im Stile Sean Spicers, wenn auch nur im virtuellen Raum und nicht im Press Room des White House.

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Der Angriff Scheppes auf einen Beitrag der „Adelsdorfer Bürger“.

Das wiederum löste eine Nachfrage der „Adelsdorfer Bürger“ aus, was denn konkret an der Darstellung diese „alternativen Fakten“ sein sollten. Nach zweieinhalb Stunden endete die Debatte mit einem abschließendem Kommentar Scheppes: „Für mich ist und bleibt meine Heimatgemeinde Top!!“ Das klingt sehr nach Sean Spicer, der die angebliche Rekordkulisse bei der Amtseinführung – entgegen aller objektiven Fakten – verteidigte mit der Formulierung: „The largest audience to ever witness an inauguration, period.“ Auf gut Deutsch etwa: „Es war das größte Publikum, das eine Amtseinführung jemals gesehen hatte. Punkt.“

Im Rathaus und in der Fraktionsspitze der Freien Wähler soll man mit der Feuerprobe Scheppes als Sprecher sehr zufrieden gewesen sein, haben Mitglieder der Parteiführung dem Adelsdorfer Gemeindeschreiber verraten. Eine rein ehrenamtliche Funktion nur für die Freien Wähler jedoch könnte bei Scheppes Ambitionen nicht genügen, um den „Wunderknaben“ (Aussage eines FW-Mitglieds) zu halten.

Angeblich soll im Rathaus bereits evaluiert werden, wie für Scheppe eine Stelle als gemeindlichem Pressesprecher im Stellenplan abgebildet werden könnte. Möglich scheint, dass Scheppe nicht nur als Ansprechpartner für die lokalen Print- Online- und TV-Medien sowie als Leiter der Pressekonferenzen arbeitet, sondern auch noch als Sicherheitsberaters tätig wird. Bisher übernahm Bürgermeister Fischkal diese Aufgabe selbst und beriet sich im kleinsten Kreise mit sich selbst zu Sicherheitsfragen. In der wachsenden Großgemeinde aber erscheint eine Professionalisierung auch auf diesem Gebiet sinnvoll.

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