Weiher leer, Frust groß: So könnte SeeSide noch gerettet werden

Im Jahr 2008 besang Hip-Hop-Musiker Peter Fox den Traum vieler Menschen und landete mit seinem Song „Haus am See“ einen Hit.

Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg.
Ich hab 20 Kinder, meine Frau ist schön.
Alle komm’n vorbei, ich brauch nie rauszugehen.
Und am Ende der Straße steht ein Haus am See.

Einige Jahre später schien es so, als könnte ausgerechnet die Gemeinde Adelsdorf mit ihrem neuen Baugebiet Reuthsee den Traum von einem Häuschen am See für viele Menschen wahr werden lassen.

Das neue Mega-Baugebiet schmiegt sich in Teilen liebevoll an den Reutwegweiher an, rund ein Dutzend der Grundstücke liegen direkt am Gewässer – wären also ein potenzieller Sehnsuchtsort für Neu-Adelsdorfer, die sich für ein Leben in Doppel- oder Reiheneinfamlienhaus im Speckgürtel statt beengter Etagenwohnung in einer städtischen Metropole entschieden haben.

Manch einer, der sich für ein Seegrundstück entschieden hat, fühlt sich jetzt allerdings getäuscht oder ist zumindest enttäuscht. Denn dem vom Vermarkter der Grundstücke werbewirksam „SeeSide“ getauften Gebiet fehlt ein entscheidendes Element gerade: der See, respektive der Weiher.

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Grundstücke am See – jedenfalls dann, wenn man den bunten Verkaufsunterlagen für „SeeSide“ Glauben schenkt.

Auf den Vermarktungsunterlagen und den Internet-Seiten von S+S Marketing, die die Grundstücke und Häuser vermarkten, ist der Weiher in leuchtendem Blau enthalten. Eigentlich aber ist so ein Weiher in fränkischer Landschaft zumeist kein Ort zum Baden und auch kein Habitat für gelbe Quietscheentchen, sondern eine Art landwirtschaftliche Nutzfläche. Und diese kann eben auch einmal ungenutzt sein, weshalb im konkreten Fall der Reutwegweiher derzeit abgelassen ist. Erst recht, wenn der Weiher nicht Teil des Baugebietes ist, sondern im Besitz einer Privatperson und lediglich an die Bebauung angrenzt.

Trotzdem schlagen die Wellen hoch in einem Diskussionforum bei Facebook für „SeeSide“-Bewohner. Warum der Weiher kein Wasser habe, wird dort gefragt. Und wilde Vermutungen werden angestellt.

Bürgermeister Fischkal will sich um eine Lösung kümmern

Der Unmut blieb auch Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal nicht verborgen, der sich prompt in die Diskussion einschaltete und versprach, sich um eine Lösung zu kümmern. Der Adelsdorfer Gemeindeschreiber hat dank seiner guten Quellen auf allen politischen Ebenen der Gemeinde bereits erfahren, in welche Richtung Lösungsvorschläge auf dem Tisch liegen.

Für alle Neu-Adelsdorfer soll es demnach in den nächsten Monaten Integrations-Angebote geben, zu denen auch eine Einführung in die Karpfenzucht gehört. Bürgermeister Fischkal soll dazu bereits Dr. Martin Oberle (Experte für Teichwirtschaft und 2014 gescheiterter Landratskandidat der Freien Wähler) kontaktiert haben. Finanziert werden soll das Integrationskonzept durch eine Kurtaxe, die in Abhängigkeit von der Entfernung zum See von den Grundstücksbesitzern im Baugebiet „SeeSide“ erhoben wird, sobald der Weiher wieder gefüllt ist.

Zur Diskussion steht auch eine Reinigung und anschließende Umleitung bestimmter Abwässer aus den neuen Häusern direkt in den Weiher. Federführend hat das Bauamt der Gemeinde hier mit Ingenieuren für Bewässerungstechnik aus dem Nahen Osten bereits erste Gespräche geführt. Allerdings könnte diese Lösung an hohen Kosten noch scheitern. Und es ist auch unklar, ob Karpfen mit einem leichten Duschdas-Geschmack noch zu verkaufen wären.

Sollte es zu keiner Einigung mit dem Eigentümer des Weihers kommen und er aufgelassen bleiben, haben sich die Fraktionen im Gemeinderat in einer geheimen Arbeitsgruppe bereits Gedanken darüber gemacht, wie und wo in Adelsdorf ein Freibad zu realisieren wäre. „Ein Karpfenbad passt doch gut für unsere Großgemeinde“, lässt sich ein Teilnehmer des Treffens zitieren, der allerdings ungenannt bleiben möchte.

Hintergrund zum Thema (ganz ohne Satire): Das Baugebiet Reuthsee wird nicht von der Gemeinde vermarktet. Dieses hat das komplette Projekt an einen Investor übergeben, der im Rahmen des Bebauungsplanes die Grundstücke und Häuser dort verkaufen lässt. Die Gemeinde hat mit dem Begriff „Reuthsee“ für das Baugebiet ebenso wie der Investor mit der Wahl von „SeeSide“ – bewusst oder unbewusst – den Eindruck erweckt, es könnte sich um Grundstücke handeln in einem Gebiet mit See. Dabei ist der See, oder eben der Weiher, eben nicht Teil des Bebauungsplanes. Er gehört einer Privatperson, die ihn in der Vergangenheit als Karpfenweiher genutzt hat. Rein rechtlich dürfte es für die Gemeinde und für den Investor keinerlei Möglichkeit geben zu verhindern, dass der Weiher auf Dauer aufgelassen wird. Bewohner, die sich für ein Grundstück „am See“ entschieden haben, sich jetzt getäuscht fühlen und zum Beispiel Schadenersatz möchten, dürften vor schwierigen juristischen Fragen stehen.

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