Adelsdorfs marode Straßen sind zum Rückzugsort für seltene Pflanzen geworden

Einige Straßen im Gemeindegebiet sind seit Jahren in einem desaströsen Zustand. Bereits im Februar 2015 hatte die örtliche SPD die nötigen Sanierungen auf die Agenda im Gemeinderat gebracht (hier zum Bericht des Fränkischen Tags). Passiert ist seitdem aber wenig bis nichts. Vor allem im Bereich zwischen Bahnhofsstraße und Erlanger Straße sind Auto- oder Fahrradfahrer sehr holprig unterwegs und Fußgänger ist anzuraten, die Bergschuhe anzulegen.

Es ist kaum verwunderlich, dass die maroden Straßen nicht ganz oben auf der Themenliste im Rathaus stehen. Denn in der Regel müssen die Gemeinden bei Sanierungen und Ausbauten von gemeindlichen Strassen die Anwohner mit Beiträgen zur Kasse bitten. Das regelt die Straßenausbaubeitragssatzung. So macht man sich nicht unbedingt Freunde. Bei großen Grundstücken oder solchen die auf einer langen Strecke an Straßen grenzen, könnten durchaus fünfstellige Beträge fällig werden. Und das Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat vergangenes Jahr entschieden, dass Gemeinden die Grundstücksbesitzer nicht vor fälligen Straßenausbaubeiträgen verschonen dürfen – selbst wenn das natürlich politisch opportun wäre.

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So unscheinbar der Bewuchs zwischen den Randsteinen der maroden Straßen wirken mag, so selten sind die dort gefundenen Gräser.

Womöglich hat das lange Zögern in dieser Frage jetzt eine neue Ausgangslage geschaffen. Nach Informationen des Adelsdorfer Gemeindeschreibers aus gut unterrichteten Kreisen der Naturschutzbehörden könnten Gemeinde und Anwohner um teure Sanierungen herumkommen. Angeblich wurden in den inzwischen üppig bewachsenen Rinnsteinen seltene Tierarten entdeckt.

Eselsdisteln wachsen in der Beethovenstraße

Herbert P. Flanze, Bordsteinbewuchs-Fachmann beim Bund Naturschutz in München, bestätigt dem Adelsdorfer Gemeindeschreiber im Gespräch, dass bei einer Begehung im Oktober seltene Pflanzen im Bereich der Kaspar-Lang-Straße, der Maria-Ludwig-Straße und auch der Beethovenstraße entdeckt wurden. Dazu zählten der Kompasslattich, Goldruten und Eselsdisteln.

Flanze vermutet, dass die seltenen Pflanzen in den Rinnsteinen von Alt-Adelsdorf nur aufgrund besonders günstiger Lebensbedingungen in der ungewohnten Umgebung wachsen. So sei ihm keine andere Gemeinde bekannt, wo wegen anhaltender Diskussionen um Satzungen die gemeindlichen Straßen so selten maschinell gekehrt würden. Gleichzeitig transportierten Südwestwinde im Frühling und Sommer wertvolle Erde und feinen Sand in die Gegend, die durch die Großbaustelle „SeeSide“ freigeworden sind.

Der Bund-Naturschutz-Fachmann will sich demnächst mit weiteren regionalen Experten wie dem Höchstadter Pilz-Fachmann Hans Krautblatter beraten. Es soll ein Gremium gebildet werden, das über die Einstufung der Straßenränder als Naturschutzgebiet berät und der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes entsprechende Vorschläge unterbreitet. Es sei auch nicht auszuschließen, dass völlig neue Arten von Pflanzen entdeckt werden, die erst noch benannt werden müssten. Für diesen Fall sollten, so Experte Flanze, unbedingt die örtlich verantwortlichen Kommunalpolitiker zu Ruhm und Ehre gelangen, weil erst durch das Verschleppen des Straßenunterhalts die einmaligen Biotope entstehen konnten.

Welche Auswirkungen die neu entdeckten Lebensräume für seltene Pflanzen auf die anstehenden Sanierungen hat, kann derzeit noch nicht seriös abgeschätzt werden.

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2 Kommentare zu „Adelsdorfs marode Straßen sind zum Rückzugsort für seltene Pflanzen geworden

    1. Sehr geehrter Herr Eist, ich bewundere Ihre famose Leistung als „Big Brother“. Sie haben doch tatsächlich erfolgreich im Bereich „Über diese Seite“ gelesen, dass diese Seite unter der redaktionellen Verantwortung von Martin Jungfer steht. Und sie haben wirklich alle Hirnzellen vernetzt, um herauszufinden, dass das „Schweiz“ als Teil der Adresse wohl bedeutet, dass der Mensch, der für die Seite verantwortlich ist, nicht in Deutschland lebt. Respekt! Was Sie vielleicht noch nicht herausgefunden haben, verrate ich Ihnen gerne direkt hier. Der Autor der Beiträge hat immerhin über 30 Jahre seines Lebens in Adelsdorf verbracht, sich dort gesellschaftlich wie politisch engagiert und beobachtet das Geschehen in seiner Herzensheimat deshalb weiterhin sehr gerne. Ich finde, das ist durchaus legitim.
      Herzliche Grüsse (aus der Schweiz)!
      Der Gemeindeschreiber
      P.S.: Der Gemeindeschreiber hält sich weniger für einen „Vogel“, sondern vielmehr für eine Art Kellerassel. Sie mag das Licht scheuen, aber sie ist immer da, wenn etwas aufgedeckt wird. 😉

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