Um Platz für neue Mülltonnen zu schaffen: Kommen Autos in die Grube?

Hundehaufen auf dem Gehweg, Schmierereien an Fassaden, kaputte Straßen – Gründe, sich aufzuregen, findet der Mensch genug. Doch kaum ein Thema bewegt die Gemüter so regelmäßig wie die hauchzarten gelben Plastiksäcke für Abfälle mit dem «grünen Punkt». Sie reißen leicht, werden gerne vom Winde verweht oder von streunenden Katzen und Füchsen aufgerissen. Gerne würde Kümmerer-Bürgermeister Karsten Fischkal (Freie Wähler) das Problem beheben – noch dazu, weil ja bald wieder Wahlen anstehen.

Schritt 1 im Fischkal’schen Problemlösungsverfahren ist wie fast immer ein Empörungsbrief an das Landratsamt, das auch hier zuständig ist. Schritt 2 ist die klassische Bürgerbeteiligung. Auf Facebook und der Homepage der Gemeinde durfte bereits abgestimmt werden. Schritt 3 ist der Gang zur örtlichen Presse, die mangels eigener Recherche-Ideen, gerne die Bürgermeister-Empörung zu einem Zeitungsartikel verarbeitet (siehe hier).

Im SeeSide-Gebiet fehlt der Platz für Abfalltonnen

Am einfachsten könnte man das Problem der dünnen Säcke wohl lösen, wenn die Abfälle künftig nicht in den Säcken sondern in Tonnen gesammelt werden würde. Für die Großgrundstücksbesitzer in der Gemeinde Adelsdorf wäre wohl noch ein zusätzliches Plätzchen zu finden für eine potenzielle neue gelbe Tonne. Wo die graue Tonne für Restmüll, die braune für den Biomüll und die grüne für Papier und Karton schon stehen, würde eine gelbe etwas Farbe in den Schuppen bringen.

Nun hat aber eben auch der Bürgermeister erkannt, dass die Siedlungsoffensive mit dem Namen «SeeSide» meist nur sehr knapp bemessene Grundstücke ergeben hat. Wo soll eine zusätzliche Abfalltonne einen Platz finden, wenn meist schon nicht einmal mehr ein Kinderfahrrad abgestellt werden kann?

Deshalb wird von einer Arbeitsgruppe aus drei Ingenieuren bereits an einer alternativen Lösung gearbeitet. Diese wurde kürzlich dem Adelsdorfer Gemeindeschreiber zugespielt. Und man könnte mit dieser mehrere Probleme auf einen Schlag lösen.

Die geniale und radikale Lösung sieht vor, dass alle Außenparkplätze in eine Art Grube umgewandelt werden. Diese Grube ist dann neu der Parkplatz fürs Auto, das dann quasi elegant aus dem Sichtfeld verschwindet (siehe unten stehendes Video).

Die Deckel der Gruben könnten zum Beispiel mit Rasen gestaltet werden, was die Gartenflächen für die SeeSide-Bewohner im Durchschnitt verdoppeln würde. Die Gruben sollen zudem so gross geplant und umgesetzt werden, dass Platz für vier Abfalltonnen entsteht.

Für die Gemeinde bedeuten die unterirdischen Parkplätze auch, dass sie die Suche nach einer Fläche für Parkplätze (sieh Zeitungsbericht zu dem Thema hier) einstellen kann. Sollten SeeSide-Bewohner in den langen Reihenhausblöcken künftig Besucher haben, die mit dem Auto kommen, können diese auf den Grubendeckeln parken.

Sollte sich die Gruben-Parkplätze bewähren, wären diese auch an weiteren Straßenzügen denkbar. Insbesondere in den sanierungsbedürftigen Straßen zwischen Bahnhofstraße und Kaspar-Lang-Straße könnte die dann ohnehin anrückenden Bagger auch gleich die Parkgruben ausheben.

Bieten die Parkgruben auch die Lösung für Starkregen-Ereignisse?

Getüftelt wird im Expertenkreis derzeit noch am i-Tüpfelchen der Idee. Die Parkgruben sollen nämlich, sofern keine Autos darin untergebracht sind, als mögliche Überlaufbecken bei Starkregen-Ereignissen dienen. Bei heftigen Niederschlägen, die in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen geführt haben, würden die Gruben quasi temporär geflutet und das Wasser dann sukzessive in die Kanalisation geleitet, um Belastungsspitzen zu brechen. Damit würde Bürgermeister Fischkal der Gruppe von Anwohner aus dem Bereich der Bahnhofstraße entgegenkommen können, die vehement Maßnahmen fordern, um Überflutungen künftig zu verhindern (siehe Bericht hier).

Im Laufe des Sommers sollen die Vorschläge im Gemeinderat präsentiert und diskutiert werden.

Hintergrund zum Thema (frei von Satire): Die Grundstücksgröße im SeeSide-Gebiet ist immer wieder Anlass für Diskussionen. So zeigt sich zum Beispiel, dass schon die Zahl der Stellplätze für Autos zu knapp bemessen worden sein könnte. Wenn nur eine zusätzliche Abfalltonne nicht mehr möglich ist, ist zum Beispiel eine flächendeckende Einführung von Tonnen statt Säcken in Adelsdorf kaum möglich. Über diese Frage konnte Anfang Juni auf der Homepage der Gemeinde abgestimmt werden. Am 11. Juni 2019 hat dort Bürgermeister Fischkal über das Ergebnis informiert (58% für Gelben Sack, 42% für Gelbe Tonne). In einem Zeitungsbericht vom 23. Juni 2019 wird Fischkal damit zitiert, dass er eine Umfrage zur Frage «Sack oder Tonne?» im Amtsblatt der Gemeinde plant. Vielleicht also war die Abstimmung auf der Homepage der Gemeinde nur ein Probelauf, der noch nicht das von Fischkal gewünschte Ergebnis gebracht hat … 

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